184_AM ABGLANZ DER FARBEN957_home.html

Bestellung #184

CHF 15.- + 3.- Versand CH

Am Abglanz der Farben


Zum künstlerischen Werk von Monika Kiss Horváth


Susann Wintsch


Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter. Sie erhellt unsere Welt, dann dämmert sie langsam ein, bevor sie hinter dem

Horizont verschwindet. Ein alltägliches Wunder. Um diese Magie spürbar zu machen, hat Monika Kiss Horváth eine zweite

Sonne erschaffen, eine leuchtend gelbe Folie auf der Scheibe des hohen Glasfensters im Galerieraum. Nun fällt das

wechselnde Licht des Tages auch durch ein zusätzliches Objekt – als gelber Abglanz des Sonnenlichts. So trifft es schräg

auf eine magentafarbene Wand und versickert allmählich. Erst am anderen Ende leuchtet die Wand in ihrer ursprünglichen

Farbintensität wieder auf.

Mit dieser feinen Geste öffnet die Künstlerin uns den Weg in ihr Werk. Wir spazieren den weiteren Wänden entlang,

durch die Lichtstimmungen der Bilder, Fotografien und Objekte. Trotz ihrer Verschiedenheit fügen sich die Werke zu

einem stillen Ganzen: Alles ist durchdrungen vom Spiel der Farben, von Fluss und Verwandlung, vom Strahlen und Verlöschen.

Sogar die Federn des Pfaus schimmern je nach Blickwinkel grün oder violett, und lassen sich nicht festhalten.

Orange. Blutrot. Pink. Petrolblau. In den Malereien von Monika Kiss Horváth begegnen sich Aquarell- oder Tuschefarben

in vibrierenden Kompositionen. Helle Töne brechen am Rand dunkler Gebilde hervor, züngeln sich ins Innere

oder türmen sich auf wie Wasserlinien im Sand. In den Fotografien glüht das Sonnenlicht hinter Bergkämmen, zeichnet

Felsränder nach oder funkelt zwischen Gletschern und Wolkenmeeren.

Alle Werke scheinen zu atmen. Sie wirken lebendig, wie zufällig entstanden und doch von einer inneren Ordnung bewegt.

Und immer wieder ist es das Licht der untergehenden Sonne, das die Künstlerin einfängt. In jenem Moment werden

Farben nicht nur gesehen, sondern auch empfunden. In ihren nebligen Nuancen öffnen sich Gedanken, Erinnerungen

und Sehnsüchte.

Und dann ist da dieser Ort: Marinella. Eine Bar im alten Fischerdorf Nervi bei Genua, gebaut wie ein Schiff im Stil des Art

déco. Seit 1934 sitzt sie auf dem schmalen Felsen zwischen Bahnhof und Meer und trotzt den Elementen. Wer sie betritt,

versinkt im grenzenlosen Blau des Meeres und den wandernden Wolken. Unübertrefflich ist jedoch der Blick auf den

Sonnenuntergang. Er hält die Zeit an, und unsere Gedanken folgen ihrem Kolorit. Vielleicht folgen wir ihnen, im nächsten

Herbst. Bis dahin träumen wir einfach weiter, Bella Marinella.

957_